Carsten Schneider wirbt für mehr gemeinsames Handeln zum besseren Schutz der biologischen Vielfalt und wichtiger Naturlandschaften
Am 19. Oktober 2026 beginnt die 17. Weltnaturkonferenz in der armenischen Hauptstadt Eriwan unter dem Motto "Handeln für die Natur". Dort zieht die Weltgemeinschaft erstmals eine Bilanz zur Umsetzung ihrer 2022 beschlossenen Ziele zum weltweiten Schutz und zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt. Dazu gehört die Ausweisung von mindestens 30 Prozent Schutzgebieten an Land und im Meer, um wichtige Naturlandschaften weltweit zu erhalten und dafür mehr Umsetzungsmittel zur Verfügung zu stellen. Bundesumweltminister Carsten Schneider leitet die deutsche Delegation und reist in der zweiten Woche an. Mit dem Globalen Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal 2022 (GBF) haben die Staaten der Welt zu stärkerem Naturschutz verpflichtet. Bundesumweltminister Schneider hatte erst im September die Urkunde zum deutschen Betritt des VN-Hochseeschutzabkommens (BBNJ) in New York hinterlegt, dass die bessere Ausweisung von Meeresschutzgebieten in internationalen Gewässern ermöglichen soll.
Die Konferenz endet am 30. Oktober 2026.
Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Natur schützt uns – wenn wir sie schützen. Wir Menschen brauchen Insekten, die unsere Nutzpflanzen bestäuben, Böden, auf denen unsere Lebensmittel wachsen, und Auen, die bei Hochwasser Wasser zurückhalten. In Eriwan geht es deshalb um unsere Lebensgrundlagen. Die Weltgemeinschaft hat versprochen, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 zu stoppen und die Erholung der Natur einzuleiten. Jetzt müssen wir zeigen, dass aus diesem Versprechen Wirklichkeit wird. Es geht dabei um Lebensräume für Tiere und Pflanzen – und gleichzeitig um harte Faktoren für unser Leben, unseren Wohlstand und unsere Sicherheit. Wenn Arten aussterben und Böden auslaugen, dann fallen Ernten aus. Wenn Wälder abgeholzt, Flüsse begradigt oder Mangroven zerstört werden, dann fehlt den Menschen Schutz gegen Dürren und Fluten. Das heißt: Mit einer intakten Natur und einer großen biologischen Vielfalt bekämpfen wir auch Fluchtursachen. Wir sichern die Nahrungsmittelversorgung und Lieferketten – all das hängt von der Natur ab.“
Die Staaten haben erste Maßnahmen zum Schutz biologischen Vielfalt und zur Wiederherstellung von bedeutenden Naturräumen vorangebracht. Klar ist: Die bisherige Bilanz zeigt ein gemischtes Bild, eine echte Trendwende, also ein wirksamer Stopp beim Verlust von Arten, Natur- und Lebensräumen oder der Entwaldung ist noch nicht eingetreten. Die erste globale Überprüfung soll zeigen, wo Fortschritte erzielt wurden und wo nachgesteuert und wo und wie Naturschutzmaßnahmen beschleunigt werden können, um bis 2030 auf Kurs zu kommen.
Aktuell sind 18,4 Prozent der globalen Landfläche unter Schutz gestellt. Weitere Schutzgebiete sind bereits geplant. Besonders positiv entwickelt haben sich die Küstengebiete und nationalen Meeresgebiete, mit circa 23 Prozent Unterschutzstellung, gegenüber den nur circa 1,7 Prozent geschützten Gebieten auf der Hohen See.
Besonders wenig hat sich beispielsweise bewegt bei der Integration von Biodiversität in die Wirtschaftssektoren. Außerdem braucht es mehr finanzielle und personelle Ressourcen auf allen Ebenen. Gleichzeitig sollten Subventionen abgebaut werden, die der Biodiversität schaden.
Bundesumweltminister Carsten Schneider: "Die Weltgemeinschaft hat Fortschritte gemacht, zum Beispiel bei der Ausweisung von Schutzgebieten oder der Wiederherstellung von Ökosystemen. Nur sind wir bei weitem nicht da wo wir sein müssten. Jetzt gilt es, schneller zu werden, um die gemeinsamen Ziele noch zu erreichen. Eine Linie auf der Landkarte schützt noch keinen Wald und kein Korallenriff. Dafür sind lokales Knowhow, Geld, Personal und eine starke Zivilgesellschaft vor Ort notwendig. Die diesjährige Weltnaturkonferenz unter armenischer Präsidentschaft muss das Bewusstsein für die Bedeutung des globalen Natur- und Artenschutzes daher weiter stärken und wenn möglich Ausgangspunkt für weitere Schutz-Initiativen werden. Der weltweite Verlust von Arten und Ökosystemen macht nicht an Landesgrenzen halt und kann nur durch gemeinsames multilaterales Handeln aufgehalten werden. Auch wir in Deutschland haben unsere Hausaufgaben zu machen. Mit der Nationalen Biodiversitätsstrategie und dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz haben wir dafür die Grundlagen gelegt."
Ein wichtiger Fortschritt ist zum Beispiel das neue VN-Hochseeschutzabkommen. Das Abkommen umfasst die Hohe See, also die Biodiversität in Meeresgebieten jenseits nationaler Zuständigkeit – englisch: Biodiversity Beyond National Jurisdiction (BBNJ). Diese Gebiete, die rund die Hälfte der Oberfläche unseres Planeten ausmachen, bilden das größte zusammenhängende Ökosystem der Erde: Von majestätischen Walen bis zu Tiefseekorallen beherbergt die Hohe See einzigartige Lebewesen, die die Staatengemeinschaft mit dem Abkommen erstmals durch einheitliche Umweltregeln und die Ausweisung von Meeresschutzgebieten besser schützen kann.
Das Abkommen bietet die Möglichkeit der Ausweitung von Schutzgebieten auf Hoher See. Dorthin können sich marine Säuger zurückziehen, Fischbestände können sich dort erholen. Das Abkommen wird so einen entscheidenden Beitrag zum globalen Versprechen leisten, bis 2030 insgesamt 30 Prozent aller globalen Meeresgebiete unter Schutz zu stellen.
Der globale Biodiversitätsrahmen (GBF), der vor vier Jahren auf der Weltnaturkonferenz in Montreal verabschiedet wurde, markiert einen historischen Meilenstein im internationalen Naturschutz. Er enthält vier übergeordnete Statusziele bis 2050, sowie 23 Handlungsziele bis 2030, wie zum Beispiel:
- mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresfläche bis 2030
- unter effektiven Schutz zu stellen
- mindestens 30 Prozent der geschädigten Naturräume unter Wiederherstellungsprozesse zu bringen
- die Risiken durch Pestizide bis 2030 mindestens zu halbieren
- den globalen Konsum-Fußabdruck auf gerechte Weise zu reduzieren, unter anderem durch Halbierung der weltweiten Lebensmittelabfälle
- mehr Ressourcen für den Schutz der biologischen Vielfalt zur Verfügung zu stellen.
Neben den Regierungsdelegationen der Vertragsstaaten sind auch zahlreiche gesellschaftliche Akteure in Eriwan vor Ort – darunter Vertreterinnen und Vertreter indigener Völker und lokaler Gemeinschaften sowie von Regionen und Städten, Nichtregierungsorganisationen und Jugenddelegationen sowie Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft und dem Finanzsektor.
Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) ist wie das Klimarahmenabkommen (UNFCCC) und die Wüstenkonvention (UNCCD) eine von den drei sogenannten Rio-Konventionen der Vereinten Nationen. 2026, einem "Triple-Rio COP"-Jahr finden alle drei Vertragsstaatenkonferenzen dieser Konventionen statt. Bereits im August trafen sich die Vertragsstaaten der UNCCD in der Mongolei. Nach der aktuellen COP17 der Weltnaturkonferenz in Armenien folgt im November der internationale Klimagipfel in der Türkei (COP31).